Edeltraud Schneider

Dorfidylle - ist es Frieden, ist es Stille?
Beschaulichkeit bringt Erinnerung in Fülle:

Leben. Freude kam ins Einerlei
Erklang im Dorf dein erster Schrei.
Stolz fühlt sich, auserkoren,
der in Wallenborn geboren.

Einmal, das verrät der Name schon,
andächtig bezeichnet der Wortfall-Ton
ein Naturwunder, ein wallender Born hier entspringt;
rhythmisch ein brausendes Rauschen erklingt.
Als ob's brodelt und kocht den Anschein weckt;
im Sinn Verbundenheit, die stark geprägt.
Man entsinnt sich freudiger Kinderspiele
es ist "die Brubbel" im Dorfdialekt.

Nicht weit vom wunderbaren Geschehen
ist ein natürliches Labsal zu sehen:
Jeder Ortskundige "weeß",
von dem Wallenborner "Drees".
"DreesbüscheIchen", heilenden Quellen,
dem Bach, Fröschen und Libellen.

Von den umgrenzenden bewaldeten Höh'n,
ist ein gar liebliches Dorfbild zu sehen.
Der Wallenborner es zeitlebens im Herzen trägt,
im Sinn Verbundenheit, die stark geprägt.

Man entsinnt sich freudiger Kinderspiele
dankbar für Urwüchsigkeit der Gefühle:

Eine Kunst mit der Peitsche den Kreisel zu drehn,
auf holpriger Straße den "Dieldaab" zu sehn.

Einem Rad gab man mit Stock Richtung, Schwung,
hinunterlaufend ins Tal der Erinnerung.

Die "Kisswaalz" rollte, die Dorfstraße geteert,
mit "Hüpfhäuschen" ward sie geziert und geehrt.
Linien gezogen für den Fall
einer Spielrunde Völkerball.

Laufen, hüpfen. Seilspringen welch ein Genuß;
die Dunkelheit gebot den täglichen Schluß.

Steil war im Winter der Straße Bahn
für das heißgeliebte Schlittenfahr'n.

Ja, die Dorfstraße war für die Kinder ein Segen,
gepflegt durch samstägliches Schrubben und Fegen.

Auch Häuser, Pfädchen und Gäßchen,
dienten Kindern für Spiele und Späßchen:
Verstecken - hier heiß - dort warm;
Räuber liefen, hinterher der Gendarm.

Mädchen warfen den Ball ans Scheunentor,
unter Armen und Beinen schoß er hervor.

Spielregeln galten, streng beachtet,
leidenschaftlich nach Erfolgen geschmachtet.
Von Armen und Schenkeln der Ball zum Pläsier
hüpfte von Kopf und Brust zur Scheunentür.

Vom Spiel nun ins Brauchtum gelangt;
durch Zeichen dem Herrgott gedankt.
Die Kirche hierfür in der Dorfmitte steht,
einladend zu Gesang, Lob und Gebet.
Ereignisse hier ihren Segen empfangen,
Menschen des Lebens Sinnfindung erlangen.

Beendete eine Taufe jubelnd' Glockengeläut,
haben Paten für Kinder Kamellen gestreut.

Läuteten Glocken eine Hochzeit ein,
freuten sich im Dorfe Groß und Klein.
Brautleute schritten voraus im Hochzeitszug,
ein schmuckes Mädchen den Brautschleier trug.
Gebackenen "Bund" gab's von Männern in Schürzen
und Schnäpschen, um Zuschauerfreude zu würzen.

Am Fetten Donnerstag wurd's auch so gemacht,
von Weibern, die alle zum Lachen gebracht.
Zur Fastnacht stiegen närrische Wogen steil;
Mädchen nahmen Burschen ins gespannte Seil.

Weil der Wallenborner das Feiern nicht läßt,
erfand er das pfingstliche Schützenfest.
"Für Glaube, Sitte und Heimat" steht
der Wahlspruch, wie im dörflichen Einklang gelebt.

Es ist auch Sitte zur Jahreswende
aufzusuchen des Anderen vier Wände,
um zu wünschen ein Prosit Neujahr
mit dialektischen Verschen sogar:
"Joode Morjen am neuen Joar,
ech wünschen Ech e jelecksielech Nejes Joar,
lang se lewwen, je l ecke lech ze sterwern,
den Himmel ze erwen."

Wenn dann im Frühling grünte das Gras,
erwarteten Kinder den Osterhas.
Aus Moos bereiteten sie ein Nest;
für bunte Eier zum Osterfest.
Bevor man dieses Wunder entdeckte,
die Mutter aus dem Schlafe weckte:
"Stitt op, stitt op, et as Usterdaach,
dann heppt d'n Hoss, daan rouscht de Baach,
daan singt d'n Här, daat hiere ma jer.

Ostereier "getippt", "geschibbelt", geworfen sogar
erfreuten mit Beifall die Kinderschar.

Der Maibaum von "Kerrelen" aufgereckt,
die nächtlichen Schabernack ausgeheckt.

Jährlich schließt sich der Festekreis,
belohnend der Dorfleute Mühe und Fleiß.

Acker und Scholle die Familie ernährte;
harte Arbeit, Ausdauer sich stets bewährte.

Man denkt an Kartoffelfelder und Rübenäcker,
den Hahn auf dem Mist, den morgendlichen Wecker.
Riecht noch den Duft der guten Mutter Erde,
verfolgt mit Blicken das Gespann der Pferde.
In Erinnerung wacht das "Kühe hüten",
der Herr im Himmel möge Mühe vergüten!

Mancher noch viel zu erzählen weiß;
Anstoß zu geben ist Ziel und Preis.

Rasant die Technik Einzug hielt,
neugierig nach ersten Autos geschielt.
Eines Tages, bei gutem Wetter
Hauer's Hof barg 'ne Isetta.

Der Anfang war klein, die Entwicklung schneller,
es rollten mehr Pfennige und auch mehr Heller.

Technische Erleichterungen bestimmende Faktoren
begründeten Erwerb von Gerät' und Traktoren.

Effekt gebot der Landwirtschaft Parole,
stellte ein, befreite von Pinnen an der Sohle.

Scheunen und Ställe sind als Garagen getarnt;
Vor Mistverschmutzung wurde gewarnt.

Endlich kam die Welle der Nostalgie,
alter Plunder geputzt wie noch nie.

Einen dörflichen Charakter heißt es zu wahren,
man spricht vom Dorferneuerungsverfahren.

Bemühungen, hiIfreicher Wille,
krönen Sinn und Dorfidylle.