Oswald Thömmes

Obwohl die Nachkriegszeit noch gar nicht so lange zurückliegt, hat sich bis heute doch sehr viel zum Positiven verändert, was den technischer Fortschritt und Lebensstandard betrifft. Gilt dies auch alles uneingeschränkt für die Lebensweise? Sicher nicht.
Sehr viel intensiver als heute war zum Beispiel früher die Teilnahme der Dorfbevölkerung, besonders die der Kinder und Jugendlichen am kirchlichen Leben. Damals stand die Kirche wirklich noch "mitten im Dorf". Der Besuch des Sonntagsgottesdienstes war eine Selbstverständlichkeit und wurde auch mit Freude wahrgenommen. Wir Kinder mußten dann nachmittags noch zur Christenlehre nach Salm. Dies kam uns allerdings immer dann ungelegen, wenn in Wallenborn gerade ein Fußballspiel stattfand. Kaum konnten wir das Ende der Lehrstunde erwarten. War es dann endlich so weit, ging es im Sturmlauf den Berg hinunter nach Hause. Auf "Hirzenelter" kündeten dann die ersten über die Dächer hochfliegenden Bälle an, daß der Gegner auch tatsächlich erschienen war, was damals, in der autoarmen Zeit, nicht immer eine Selbstverständlichkeit war.
Gut besucht waren aber nicht nur die Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen. Auch die anderen Angebote der Kirche wurden gern angenommen. Werktagsmessen, Kreuzwege und Maiandachten, Rosenkränze im November und in der Fastenzeit erfreuten sich reger Teilnahme der Christen. An drei Bittagen im Mai wurden täglich jeweils in aller Frühe die Bittprozession abgehalten. Auch die Salmer kamen mit einer Prozession noch Wallenborn. Der Bettag war ein hoher Feiertag. Die Arbeit ruhte bis nach dem Schlußgottesdienst und alle Betstunden wurden in der festlich geschmückten Kirche gut besucht.
Zu den besonders schönen Erinnerungen zählt aber die Fronleichnamsprozession, die eine besonders feierliche Atmosphäre hatte. Die Prozession fand in Salm statt. Es wurden vier Hauptaltäre aufgebaut. Einer davon, und zwar der an der Kirche, war der "Wallenborner" Altar. Er wurde mit besonderer Sorgfalt von den Wallenborner Mädchen geschmückt, wollte man doch auf keinen Fall hinter den Salmern zurückstehen.
Alle Straßen im Ort, durch welche die Prozession ging, waren reich geschmückt. Die Straßenränder waren von Zweigen gesäumt und in der Mitte wo der "Här" mit der Monstranz schritt, war ein Blumenteppich aufgestreut. Fast vor jedem Haus war ein kleiner Altar errichtet oder es waren Heiligenfiguren aufgestellt. Girlanden und Fahnen bestimmten das Dorfbild. Vor den Hauptaltaren wurden kunstvolle Blumenteppiche mit Symbolen der Eucharistie aufgelegt. Andächtig wurde gebetet und gesungen, konnten wir die Kirchenlieder doch alle auswendig.
Fronleichsnamslieder, Lieder der Eucharistie, wo "frohe Jubellieder von feierlichem OrgeIspiel, von Glockenklang und blumengeschmückten Altären" künden, hatten einen hohen Stellenwert.
Die Wallenborner gingen am Fronleichnamstag in einer Prozession nach Salm. Nach der Feier ging es mit dieser auch wieder zurück. Am Sonntag nach Fronleichnam, am Bruderschaftssonntag in Salm, fand nochmals ein Umzug wie an Fronleichnam statt.
Heute ist nur noch eine Fronleichnamsprozession, abwechselnd in vier Orten. Es wird nur noch ein Altar im Freien aufgestellt und geschmückt. Priester und Laienhelfer bemühen sich auch heute noch sehr um einen würdigen Rahmen. Jedoch bleiben immer mehr Gläubige der Prozession fern. Von auswärts kommt kaum noch jemand. Ob sich noch einmal etwas von der alten Begeisterung wecken läßt?