Matthias Thömmes

Neben Burgen, Kirchen und Klöstern, sind in unserer schönen Eifellandschaft in den letzten Jahren die Wegekreuze und Bildstöcke als kleine Kulturdenkmäler unserer Heimat, verstärkt in das Blickfeld der Bevölkerung gerückt. Als markante Zeugen vergangener Jahrhunderte sind sie fest mit der Eifellandschaft verbunden und begegnen uns auf Schritt und Tritt. So manches Schicksal ist mit Ihnen verknüpft, oft eingemeißelt in die aus Buntsandsteinen oder Basalt gehauene Schäfte und Balken oder durch mündliche Überlieferungen erhalten.
So mannigfaltig ihre Entstehungsgeschichten sind, so vielfältig bieten sich uns auch ihre äußeren Formen dar. Es ist das große Verdienst des Lehrers Georg Jakob Meyer, fast alle Wegekreuze der Eifel erfaßt, registriert und klassifiziert zu haben. Allein innerhalb der Kreise Bitburg-Prüm, den Altkreisen Wittlich und Daun, waren es etwa 400 Wegekreuze und Bildstöcke. Er teilt sie zunächst nach ihrer Entstehungszeit in gotische, Renaissance-, Barock- und Empirekreuze ein. Die Kunst- und Stilepochen bestimmten in der Regel auch die Form, wonach Balkenkreuze, Schaftkreuze, Bildstöcke, Nischen- und BiIdnischenkeuze unterschieden werden. In und um Wallenborn, sollen sich nach der Überlieferung sieben Kreuze befunden haben. Sechs davon sind noch vorhanden, dazu ein Bildstock. Das älteste Kreuz steht als Nischenkreuz weithin sichtbar auf einer Berghöhe östlich des Ortes. Es stammt aus dem Jahre 1617 und ist aus rotem Sandstein gehauen. Die giebelförmige Nische ist acht Zentimeter tief, die Kreuzbalken sind achtkantig. Auf dem Querbalken steht die Jahreszahl der Errichtung. Das Kreuz ist aus einem Stück gearbeitet, hat eine Höhe von zwei Metern und steht auf einem großen, runden Sockelstein aus Lava. Eigenartiger weise dreht es dem Ort Wallenborn den Rücken zu und zeigt vermutlich in Richtung des Grundherren, dem Grafen Karl von Manderscheid-Gerolstein. Es könnte auch ein Gerichtskreuz sein. Der Grundherr war gleichzeitig Gerichtsherr.
Ein weiteres Nischenkreuz aus dem Jahre 1629 steht an der Bundesstraße 257 in Richtung Daun, etwa eineinhalb Kilometer vom Ort entfernt, auf einer" Böschung. Es ist wuchtig gearbeitet mit gebrochenen Kanten und ebenfalls mit einer giebelförmigen Nische. Unter der Nische ist die Jahreszahl 1629 eingemeißelt. Obwohl kein Steinmetzzeichen angebracht ist, stammen die beiden Nischenkreuze vermutlich aus einer Kyllburger Werkstatt.
Im Laufe des 17. Jahrhunderts treten die Schaftkreuze ohne Nischen mehr und mehr in den Vordergrund. Vier solcher Kreuze stehen auch in und um Wallenborn. Zwei davon sind im Jahre 1620 entstanden: Das sogenannte Äschenkreuz in der Ortsmitte an der Abzweigung zum Gasthaus Becker sowie das Kreuz am Südausgang des Dorfes gegenüber der "Brubbel" auf der anderen Straßenseite.
Im Gegensatz zu den beiden Nischenkreuzen trägt das "Äschenkreuz" das Steinmetzzeichen der Kyllburger Werkstatt. Der schlanke Schaft enthält gut lesbar folgende Inschrift: DAS KREUZ HAT AULEN HANS EIDAM BAST UND SEINE HAVSFRAW GRET VON WALBOR GOT ZU EHREN MACHEN LASEN. Die Inschrift verläuft, wie bei allen Arbeiten dieses Kyllburger Meisters, parallel zum Schaft. Charakteristisch sind auch die nebeneinander liegenden Lilien als Schaftabschluß. Auch wenn keine Jahreszahl angebracht ist, kann doch an Hand verschiedener Kennzeichen das Alter dieses Kreuzes ziemlich genau festgestellt werden: Um 1620. Das Kreuz stand bis zum Jahre 1987 in einem Nutzgarten. Im Rahmen der Dorferneuerung erhielt es durch die Initiative der Gemeinde einen würdigen, besonders gestalteten Platz an der gleichen Stelle.
Das Kreuz gegenüber der Brubbel trägt die Jahreszahl 1620, unter einem einfach gestalteten Christuskorpus. Darunter ist ebenfalls das Kyllburger Steinmetzzeichen sichtbar. Über dem Korpus steht die Inschrift INRI. Das Kreuz ist nur 1,75 Meter hoch und hat keinen Sockelstein.
Ein drittes Schaftkreuz steht in der Südecke des alten Friedhofes, rechts neben dem ursprünglichen, heute nicht mehr vorhandenen Eingang. Es hat ebenfalls einen Christuskorpus und auf dem unteren Schaft die Inschrift:
ANNO 1684 HAT PETER KEISER VON WALEBOR ZUR EHREN GOTTES VND DEM H CHORNIL AUFGERICHT A (Amen).
In der Nähe der Kirche soll sich in früheren Zeiten ein weiteres Wegekreuz befunden haben, denn Georg Jakob Meyer schreibt: "Links neben dem Eingang zur Kirche steht der Fuß eines früheren Barockkreuzes. Etwa aus der Zeit um 1700 mit Altarvorsprung, aus rotem Sandstein gefertigt, schon sehr verwittert, 70 cm hoch." Dieser Fuß ist heute nicht mehr aufzufinden.
Ein sehr schönes, gut erhaltenes Schaftkreuz steht im Flur "In der Heide", etwa fünfhundert Meter vom Dorf entfernt am Feldweg zur Bundesstraße in Richtung Salm. Über einem ziemlich tief in die Erde hineingelassenen Sockelstein erhebt sich ein etwas breiterer Fuß mit der Inschrift M B 1819. Auf dem eigentlichen Schaft befindet sich, eingerahmt mit schönen Zierlinien und Blumenornamenten, folgende Inschrift:
DIESES KREUZ ZU EHREN DES HEILIGEN CREUTZES DES HEILIGEN ANTONIUS. Den oberen Abschluß bildet ein schön gestaltetes, vielgliedriges Kapitell mit Kreuz, Korpus und Schild. Vielleicht handelt es sich hier um ein Bitt- oder Dankkreuz, denn der hl. Antonius gilt ja als Helfer auf der Suche nach verlorenen Gegenständen. Es kann aber auch ein Gelübdekreuz sein.
Etwa hundert Meter oberhalb des Heiligenhäuschens, befindet sich rechts am Wege nach Weidenbach eine Pilgerstätte, die oft auch in Verbindung mit dem Gang zum Heiligenhäuschen, von Prozessionen und einzelnen Betern besucht wird. Es ist der Bildstock der vierzehn "Nothelfer". Leider ist die auf dem unteren Teil des Stockes eingravierte Inschrift nicht mehr vollständig zu entziffern. Zu lesen ist noch: JOHANNES THELEN VON WALLENBORN HAT DIESES....MACHEN....Auch der Rest ist unleserlich. Wahrscheinlich beinhaltet diese Inschrift jedoch, daß dieser Johann Thelen den Bildstock gestiftet hat. Über der Inschrift befindet sich eine Nische mit 14 Köpfen, deren Ohren besonders ausgebiIdet sind. Zweifellos soll damit ausgedrückt werden, daß alle hier vorgetragenen Bitten gehört und erhört werden. Wenn 28 Ohren hören, kann die Erhörung nicht ausbleiben. Über der Nische befindet sich die Jahreszahl 1802, das Entstehungsjahr.
Ein Holzkreuz am alten Weg nach Niederstadtfeld, an der Brücke über den Marschbach, erinnert an die Brandkatastrophe von 1846. Vor Prümscheid steht eine ausgehöhlte alte Eiche, die sogenannte "Kreuzeiche", mit einem Kreuz in der Öffnung. Einmal im Jahr wird in einer Bittprozession um Schutz vor Unwetter gebetet.

Quelle:
Wegekreuze im Trierer Land, Georg Jakob Meyer, Trier 1955