Gerhard Becker

Die Entstehungsgeschichte eines Dorfes, so auch die Wallenborns, kann nur durch allgemein bekannte geschichtliche Abläufe und Zusammenhänge erkundet werden. Die Dörfer der Eifel wurden nicht gegründet, sondern sie entstanden durch kleine Ansiedlungen, nach dem das Land urbar gemacht und die Menschen seßhaft wurden.
Am Ende der Völkerwanderung in Europa, im 6. Jahrhundert nach Christus, begann die große karolingische Rodungsperiode. Es entfalteten sich Ackerbau und Viehzucht an festen Standorten. In diese Zeit fällt wohl auch die Entstehung Wallenborns, da es keine Hinweise auf keltische oder römische Besiedlungen gibt.
Die erste urkundlich bekannte Erwähnung Wallenborns datiert vom 20. Juli 1225. Wallenborn dürfte heute älter als 800 Jahre sein. Als Herrschaft von Wallenborn erscheint, erstmals im Jahre 1364, der Ritter Henne von Winneburg, der ein Gut zu Wallenborn als ein Casselburger Burglehen besitzt. Weitere Herren von Wallenborn sind von Zandt in Lissingen, Kerpen, Philipp Haust von Ulmen - er wird von Gerhard von Blankenheim mit Wallenborn belehnt - Karl von Manderscheid-Gerolstein und zuletzt das Haus der Herzöge von Arenberg als Reichsritterschaft. Die Herrschaft Wallenborns wechselte im Läufe der Jahrhunderte also mehrmals. Die Grund- und Lehnsherren erhoben den Zehnten als Abgaben von den Untertanen. Sie hatten das Recht des "Weistums", das heißt, sie wiesen mangels einheitlicher Rechte, die Bewohner in die Rechte und Pflichten. Sie hatten die Pflicht, die Untertanen zu beschützen. Die Grund- und Lehnsherren hielten einmal im Jahr vor den versammelten Grundbesitzern, auch Stockbesitzer genannt, das "Jahrgeding" ab. In den Jahren 1680 und 1681 wird in Wallenborn ein "Herrengeding" protokolliert, Der "Zehnte" wurde in Empfang genommen und es wurden Strafen ausgesprochen, also Gericht gehalten, so auch bei Zivilstreitigkeiten.
Der Untertan war Leibeigener. Er konnte nur mit Genehmigung seinen Besitz verkaufen oder fortziehen. Das gleiche galt für die Heirat. Starb das Oberhaupt der Familie, so hatte der Grundherr das "Churmuth", er erhielt in der Regel das beste Stück Vieh im Stall.
Mit dem Einzug der französischen Revolutionstruppen in das linksrheinische Gebiet im Jahre 1794, ging die Grundherrenschaft und damit auch die Leibeigenschaft zu Ende. Das Staats- und Gemeindewesen wurde neu geordnet. Wallenborn gehörte zur Kantonei Prüm im Saar-Departement. Mit der Neuordnung der Machtverhältnisse auf dem Wiener Kongress kam Wallenborn 1815 zum Preußischen Staate. Der Kreis wurde neu gebildet. Es gehörte bis 1951 zur Bürgermeisterei Gerolstein und danach zur Amtsverwaltung Niederstadtfeld. Nach der Gebietsreform von 1970 wurde Wallenborn in die Verbandsgemeinde Daun eingegliedert.


Chronologische Übersicht der geschichtlichen Daten Wallenborns

1225

am 20. Juli - erste urkundliche Erwähnung Wallenborns
Gerhard Herr von Blankenheim vergleicht sich mit der Abtei Himmerode wegen eines letzterer geschenkten Stückes Land bei Niederstadtfeld und Wallenborn (Walleburne), auf der Straße zwischen Hundswinkel und Salm

1354

ist erstmals eine kirchliche Anlage vorhanden

1364

besaß Henne von Winneburg (vom Rittergeschlecht dieses Namens) ein Gut zu Wallenborn als ein Casselburger Burglehen

1491

wurde Gerlach von Winneburg unter mehreren anderen Blankenheimischen Lehen auch mit dem Gute zu Wallenborn belehnt

1515

hat von Zandt 14, Kerpen 3 Untertanen (das heißt Familien) in Wallenborn

1526

Johann von Winneburg wird mit dem Gut Wallenborn belehnt

1533

Philipp Haust von Ulmen wird mit dem Gut Wallenborn von dem Grafen Gerhard von Blankenheim-Manderscheid belehnt

1559

Graf Hans-Gerhard belehnte Hugo Zandt "Voit in Hamm" unter anderem auch mit einem Gut in Wallenborn

1591

es existiert noch ein Rentenbuch der Herrschaft Kerpen und Casselburg über Wallenborn aus diesem Jahre

1593

Johann Zandt wird mit dem Gut Wallenborn belehnt

1611

erhielt Johann Zandt die Belehnung des Gutes Wallenborn von dem Grafen Karl

1614

Karl von Manderscheid-Gerolstein ist Herr von Wallenborn

1659

aus diesem Jahre existiert noch heute ein Protokoll über das Schöffenweistum zu Wallenborn

1664

wurde Karl Ludwig von Zandt mit dem Gut Wallenborn belehnt, sowie seine Nachkommen in den Jahren 1711, 1732 und zuletzt 1783

1680

und 1681 wird ein Herrengeding zu Wallenborn protokolliert, das noch heute existiert

1681

Wallenborn gehört zu dem Hause Arenberg. Von den Strafen erhielt Zandt 2/3, Kerpen 1/3 - bis 1794

1687

die Bewohner bitten um einen Gottesdienst in ihrer Kapelle

1705

am 6. Februar - großer Brand im Dorfe. Die früheren Kirchenbücher verbrannten. Ob die Kapelle zu Ehren des hl. Sebastianus verschont blieb, ist nicht bekannt

1713

wird der bauliche Zustand des Pfarrhauses und der Kapelle als gut bezeichnet.

1715

seither besteht eine Kaplanei in Wallenborn bis gegen 1805. Der Kaplan oder Vikar taufte, schloss Ehen und nahm Begräbnisse vor wie jeder Pfarrer und führte die Kirchenbücher wie bei einer eigenen Pfarrei

1715

hat Wallenborn einen eigenen Friedhof bei der Kapelle, vermutlich aber auch schon seit Menschengedenken. Er wurde 1894 erweitert

1719

übernimmt der Vikar in Wallenborn den Schulunterricht

1720

ist Wilhelm Dietrich, Freiherr von Ahr, Herr von Wallenborn

1743

ist die Rede von einer Restauration des Pfarrhauses

1745

hat Wallenborn ein Haus für den Vikar

1757

und früher (ab dem 16. Jahrhundert), streitet Wallenborn mit Weidenbach wegen des Langhalms auf dem Leimberg

1777

erhält der Vikar für seine Dienste - auch als Lehrer- 24 Taler und Fruchtlieferungen von der Gemeinde

1778

Wallenborn gehört zum Herzogtum Arenberg. Das Oberhaupt, Herzog Ludwig Engelbert, ist in Folge einer Schußverletzung erblindet. Wallenborn wird von Freiherr von Zandt zu Merl verwaltet

1786

klagen die von zandt'schen Untertanen zu Wallenborn gegen das Rentenamt Kerpen wegen Strafgeldes

1794

Wallenborn liegt im kurtrierischen Amt Manderscheid und gehört dem Herzog von Arenberg und dem Freiherrn von Zandt gemeinschaftlich

1802

wird Wallenborn, vorher in der Pfarrei Sarresdorf, Diözese Köln, der Pfarrei Salm angegliedert, außerdem Michelbach. Büscheich und Niedereich

1812

Erbauung eines Heiligenhäuschens mit einem Steinrelief der Vierzehn Nothelfer

1814

Neubau einer Kapelle

1819

Gemeindehebeliste; 1114 Stück Vieh, 42 Gemeinde-Nutzungsberechtigte

1825

bis 1827, dauernde Eingaben der Wallenborner zum Bischof in Trier. 1825 mit den Unterschriften aller Einwohner mit dem Begehren, "von Salm loszukommen"

1826

die Stockbesitzer beanspruchen die Waldungen von der Gemeinde, ohne Erfolg

1828

ist auf dem Friedhof ein Kirchhofskreuz von 1684 zu Ehren des Papstes Cornelius vorhanden

1830

das Kapellenkapital beträgt 334 Taler und Anno 1894 1865 Mark. Landbesitzungen waren kaum vorhanden, 1743 eine kleine Wiese, 1830 1 Morgen Land, 1869 5 Wiesenparzellen und 2 Äcker (ohne viel Wert), 1866 ein Acker und ein guter Morgen Wiese, 1951 2 Hektar und 38 ar Acker und Wiesen

1830

ist Jakob Kraemer aus Gromes Lehrer. Gehalt: 80 Taler (Fähigkeiten "hinreichend")

1830

erhält der Pfarrer zu Salm 70 Taler und die dreißigste Garbe aller Feldfrüchte. Das Pfarrzusatzgehalt von 100 Taler wurde zu 2/3 von Salm und zu 1/3 von Wallenborn aufgebracht

1848

Großbrand im Dorfe

1854

werden in der "Eiflia Illustrata" in Wallenborn 8 Quellen genannt, die man "Brubbeldreis" nennt - schwefelhaltig und den Insekten tödlich

1854

hat Wallenborn eine Kapelle, der Ort ist nach Salm eingepfarrt

1854

wird das Pfarrhaus "niedergelegt"

1854

Wallenborn besitzt 728 Morgen Holzungen und 605 Morgen Schiffel- und Wildland

1864

steht ein neues Pfarrhaus. Eine von Bischof Wilhelm zu diesem Zwecke genehmigte Kirchenkollekte brachte etwa 750 Taler. "Es ist mit 8 Zimmern kein modernes Haus, hat aber gemütliche Räume"

1868

erhielten Wallenborner Familien von einer Spende einer Feuerversicherungsanstalt Geld zur Beschaffung von Saatgetreide und Pflanzkartoffeln

1869

Lehrer ist Clemens Ringer aus Montabauer (mit dem Lehrer ist der Pastor zufrieden). Gehalt: 135 Taler. Das Schulhaus ist gut

1873

am 21. Juni wandert Franz Bender, Ackerer, 26 Jahre alt, nach Ohio, Nordamerika aus "zu seinen dort lebenden Verwandten"

1876

ist Bender Ortsvorsteher, Lehrer: Ringer

1880

wütete eine hartnäckige Scharlach- und Diphteritis-Epedemie in Wallenborn

1880

wird der Ausreiseantrag des Matthias Pflüger, 17 Jahre alt, abgelehnt mit der Begründung, er wolle sich der Dienstpflicht des stehenden Heeres entziehen

1893

erkannte die Bergbehörde laut Kreisblatt die Ausbauwürdigkeit der Eifelkohle an und sagte eine Abbaukonzession unter anderem auch für Wallenborn zu

1893

auf der Heidwiese bei Wallenborn wurden Bohrversuche auf Kohlensäure angestellt

1906

wird die Schule neu gebaut

1909

zahlte eine Feuerversicherungsanstalt 100 Mark als Beihilfe an Wallenborn

1910

werden die Feuerwehr Wallenborn und eine Feuerwehr-Musikkapelle gegründet. Letztere ist die Vorläuferin des Musikvereines Wallenborn

1921

erhielt Wallenborn eine zentrale Wasserleitung

1928

befinden sich hinter dem Hauptaltar der Kirche 2 Grabplatten, verziert mit Kreuz und Kelch und Hostie, von Vikaren, die anstelle des Pfarrers von Sarresdorf im 18. Jahrhundert amtierten, nämlich Michael Palandt und Josef Pickart, die in der Kirche beigesetzt worden waren. Ebenfalls beigesetzt in der Kirche war Margarete Webers geborene Hees aus Heltermühle (Lothringen), vermutlich eine Wohltäterin

1945

am 6. März wird mit der Besetzung Wallenborns der II. Weltkrieg hier beendet

1948

wird der Sportverein Wallenborn gegründet

1951

wird Wallenborn, bisher der Bürgermeisterei bzw. der Amtsverwaltung Gerolstein zugeordnet, in das Amt NiederstadtfeId eingegliedert

1952

wird durch einen Anbau die Kirche vergrößert

1955

Gründung der St. Sebastianus-Schützenbrüderschaft Wallenborn

1961

die Kapelle in Wallenborn hat zwei Altäre zu Ehren des hl. Sebastianus und der Mutter Gottes (Holz, 18. Jahrhundert, verziert mit Knorpelwerk), 2 Stahlglocken von 1943

1966

wird ein neuer Glockenturm an die Kirche angebaut

1966

am 3. Juli. werden drei neue Glocken zu Ehren des hl. Petrus, der Mutter Gottes und des hl. Sebastianus eingewiehen

1970

mit der Auflösung der Verbandsgemeindeverwaltung Niederstadtfeld, früher auch Bürgermeisterei oder auch Amtsverwaltung bezeichnet, wird Wallenborn der Verbandsgemeinde Daun eingegliedert

1976

Neugründung des Kirchenchores Wallenborn

1977

Gründung des Karnevalsvereines "Wallenborner Knallköpp"

1988

in Wallenborn wird an der Grundschule eine neue Turn- und Mehrzweckhalle eingewiehen. Gleichzeitig feiert die Gemeinde die erfolgreiche Durchführung der Dorferneuerung


Angaben zur Größe Wallenborns

1515 Wallenborn hat 17 Familien
1826 Wallenborn hat 253 Seelen
1830 253 Seelen in Wallenborn
1854 Wallenborn, in der Bürgermeisterei Gerolstein, hat 55 Wohnhäuser und 293 Einwohner
1869 Einwohner 332, 72 Familien
1890 316 Einwohner
1908 78 Haushaltungen
1909 393 Einwohner
1925 406 Einwohner
1937 428 Einwohner
1951 439 Einwohner
1988 530 Einwohner


Quellen und Literatur

1. Geschichtlicher Atlas der Rheinprovinz von 1600 bis 1794, Dr. Wilhelm Fabritius, Bonn 1898
2. Urkundenbuch der mittelrheinischen Teritorien, Beyer, Koblenz 1865
3. Eiflia Illustrata, Georg Bärsch, 1854
4. Die Kunstdenkmäler des Kreises Daun, Ernst Wackenroder, Düsseldorf, 1928
5. Amerikaauswanderer aus dem Kreise Daun, Josef Mergen, 1958
6. Amtliche Bekanntmachungen der königlich Preußichen Regierung zu Trier
7. Dauner Kreisblatt, 1876
8. Geschichte der Dekanate, Peter Schug, Trier, 1961
9. Herzoglich arenbergisches Archiv in Edingen (Belgien)
10. Entwicklung des Kreises Daun, Dr. Peter Blum, 1925